Rückblick auf vergangene Kurse

Eisgrundausbildung 2016

Eisgrundausbildung 2016

Wer in den Bergen groß geworden ist, der hat wahrscheinlich alles irgendwie schon mal ausprobiert oder zumindest gehört, wie diese oder jene Technik geht – oder gehen könnte. Der war schon 100-mal auf dem Säuling, der ist jede Skitour gegangen ...

Vielleicht ist das der Grund, weshalb von der alljährlich von Markus Anderl geleiteten Eisgrundausbildung das Teilnehmerteam 2016 so zusammengesetzt ist: 3 Schwaben, 1 Schongauer, nur 2 Allgäuer (davon eine eher mit Wasser in flüssiger Form als in gefrorener vertraut), 1 Trainer.

Da ist die schnell noch nach der Arbeit auf den Berg Geherin; der Schwabe, der zugezogen und nie mehr weggegangen ist; der schwäbische Berg-Enthusiast, der die Urlaubsregion zur Wahlheimat gemacht hat; der Kletter- und Touren-Spezl; die Kurs-Begeisterte und die Wiederholungstäterin (die mit dem Wasser).

Was sie vereint: Sie lieben es, draußen zu sein. Sich zu bewegen, mal eine Herausforderung zu wagen – je nach Zeit und Bergnähe des Wohnorts regelmäßig spontan oder mit mehr Planung verbunden.

Was sie alle nicht sind: Steigeisen-Geher, Gletscherspalten-Kenner und Münchhausen-Könner.

Kennenlernen, Theorie und Trocken­training in der Kletterhalle Rieden
Der Vorteil: Es ist trocken, man muss für den praktischen Kurs nur 2 Tage Urlaub nehmen und drei Nächte auf der Hütte bezahlen, man hat Platz und Markus kann all sein aus über 20 Bergjahren zusammengesammeltes Material aus pelzigen Bandschlingen, lebensgefährlichen Brustgurten, abgehalfterten Klettergurten und windigen Karabinern mitbringen, die hier ein „hast-du-sowas-schon-gesehen“ hervorrufen – am Berg aber tatsächlich noch oft im Einsatz zu sein scheinen.

Es ist wie ein Grundkurs-Berg: Was müssen wir bei welcher Art von Tour mit dabei haben.
Das Trockentraining in der Halle: Wie organisiert man sich in einer Seilschaft; wie baut man einen Flaschenzug am Gletscher auf; welche Knoten sollten wir blind und vielleicht sogar mit links statt mit rechts oder hinter dem Rücken können; wie geht Prusiken und wer wuchtet sich mit der Münchhausen-Technik die rettenden Zentimeter am Seil nach oben?

Nach der Theorie die Praxis – vier Tage am Taschachhaus im Pitztal
Das Taschachhaus, Ausbildungshütte des DAV, ca. 45 Minuten Fußmarsch vom Gletscher entfernt. Professionelle Bedingungen, eine sehr gastfreundliche Hütte mit Schulungsräumen, einer Kletterhalle, genügend Treppenhäusern, um das in Rieden gelernte auch noch nach dem Abendessen durchzuspielen, damit es am Gletscher tatsächlich sitzt.

Üben, üben, üben. Dafür sind wir da und die Gruppe hat Spaß daran und jeder will, dass es sitzt. Die Ehrfurcht davor, in den kommenden Tagen tatsächlich auf dem Gletscher zu stehen und das Gehen mit Steigeisen, die Spaltenbergung durch den Flaschenzug oder das sichere Gehen am Seil zu üben, ist entsprechend groß und Antrieb genug. Dann geht es drei Tage lang auf den Gletscher. Mal aufs Eis, ohne Steigeisen, mit Steigeisen, Pickel bohren sich in die Eisflanken, Eisschrauben werden gedreht, Finger werden kalt, Standplätze sitzen so fest, dass sie auch nicht durch Seilziehen aus der Verankerung gerissen werden, wir lernen Pit Schubert, Karl Prusik und Jewgeni Michailowitsch Abalakow schätzen. Wir kämpfen uns durch den Firn, graben den Toten Mann und hängen auf 3.000 m in der Gletscherspalte, wir kämpfen uns mit Prusik und Münchhausen über eine sonnenbeschienene Eiswand nach oben. Und wir kehren auf dem Rückweg in heftigem hochalpinen Sommerregen, der bei so viel Eindruck im Gepäck auf die Stimmung keinen Einfluss haben kann.

Wir haben keine lange Tour gemacht, waren aber jeden Tag sechs bis sieben Stunden unterwegs und haben geübt, uns vor Wind geschützt, uns gegenseitig beim Seile tragen abgewechselt, Fotos voneinander gemacht, vieles voneinander erfahren, ohne viel zu sprechen.

Und abends, da ging es um die großen Dinge: Wie wird der DAV Füssen die größte Sektion Deutschlands? Wir wissen es. Wer wird in 11 Jahren Wegewart? Fragt den Markus. Welche Geschäftsmodelle lassen sich erschließen? Wir sagen‘s euch! Und wer lernt jedes Jahr drei neue Blumen kennen? Wer nimmt sein Gipfelbier mit im Rucksack? Wer schafft es partout nicht, seine Steigeisen richtig einzustellen? Wer kennt die Allgäuer Berge aus der Vogelperspektive und vom Besteigen? Wer wittert hinter allem eine Idee?

Das alles weiß der Markus. Und er weiß noch viel mehr. Mein Tipp: 2017 zum Kurs anmelden!!!!!

Bericht. Anke Kotte (Teilnehmerin), Bilder: Markus Anderl und Teilnehmer

Eisgrundausbildung 2017

Eisgrundausbildung 2017

Gletscher, Eisflanken, Firngrate, hohe Gipfel über dreitausend oder viertausend Meter, das sind die Ziele der diesjährigen Teilnehmer der Eisgrundausbildung 2017. Um die "Königsdisziplin des Bergsteigens" zu beherrschen ist eine Eisgrundausbildung ratsam. Diese macht man am besten bei Markus Anderl, der über 20 Jahre Erfahrung im Bergsport aufweisen kann.

Tag 0: Trockenübung am Forggensee

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde lernten wir, welche Ausrüstung unbedingt notwendig ist, übten Knoten wie den einfachen Sackstich, den Achterknoten, den doch etwas schwierigeren doppelten Bulinknoten, den Halbmastwurf, den Mastwurf (auch bekannt als MickyMouse Knoten), die Gardaschlinge und den oft benötigten Prusikknoten. Darüber hinaus lernten wir die Spaltenbergung mit Hilfe der losen Rolle und wie man sich mit Hilfe der Münchhausentechnik Milimeter für Milimeter selbst aus einer Gletscherspalte befreien kann. Aber vor allem lernten wir uns gegenseitig kennen und planten wer welche Gegenstände mit zur praktischen Unterweisung mit ins Pitztal nehmen würde.

Der Vorteil des Theorietags ist, dass man die Tage im Pitztal für die praktische Anwendung nutzen kann und noch ein paar Tage Zeit hat, die Ausrüstungsempfehlungen von Markus Anderl umzusetzen sowie die Knoten Zuhause beim Fernsehen nochmals zu üben.

Tag 1: Marillenschnaps und Vier-Gänge-Menü auf 2.434m Höhe

Nach Vermittlung der theoretischen Grundlagen ging es vier Tage aufs Taschachhaus (2.434m), ein ideal gelegener DAV-Ausbildungsstützpunkt in den Ötztaler Alpen. Bei durchwachsenem Wetter zog sich der Anstieg in die Länge. Dies lag aber auch an unserem schweren Rucksack, der trotz Verzicht auf jeglichen Luxus über 13 kg auf die Waage brachte. Angekommen am Taschachhaus begrüßten uns die jungen Damen vom Team in bester Laune. Ob es am Marillenschnaps lag, welchen sie vom Schnapslieferanten auf dem Weg zum Taschachhaus bekommen haben?

Erstmal angekommen, konnten wir uns erholen und bei dem reichhaltigen Vier-Gänge-Abendessen stärken. Daneben bietet die gastfreundliche Hütte einige Schulungsräume, eine Kletterhalle und genügend Treppen um die lose Rolle abends nochmals zu üben.

Tag 2: Weltkriegsbomber im nicht mehr ganz so ewigen Eis

Nach einem einstündigen Fußmarsch erreichten wir den Gletscher. Im vergangenen Jahr waren es 45 Minuten. Waren wir so langsam oder ist der Gletscher mittlerweile zurückgegangen? Auf dem Weg zum Gletscher wollte uns Markus Anderl nicht die historischen Fakten rund um den Gletscher vorenthalten. So erfuhren wir von einem abgestürzten Flugzeug, dass seit dem zweiten Weltkrieg im Gletscher liegt und nach und nach wieder vom ewigen Eis freigegeben wird. Am Gletscher angekommen, lernten wir ohne Steigeisen auf dem Eis zu gehen, dann mit Steigeisen, gruben den Toten Mann, drehten Eisschrauben in den Gletscher, lernten den vielseitigen Umgang mit Eispickeln kennen und übten die Abalakow-Eissanduhr, wobei unsere Aufmerksamkeit immer wieder von unheimlichen Geräuschen erregt wird, die tief aus dem Gletscher zu kommen scheinen. Und dann, das erste Mal das Üben der losen Rolle am Gletscher, kein Vergleich zu den Übungen im Treppenhaus. Die Handgriffe und die Knoten mussten jetzt sitzen, trotz einigen Widrigkeiten, wie dem Knotenbinden mit Handschuhen, der Kälte und dem Arbeiten unter dem Zug des hängenden Kameraden. Damit es auch klappte, war Markus Anderl immer an der Seite und half bei Fragen, korrigierte missratene Knoten und hinter sicherte uns, sodass wir am Abend zwar erschöpft aber glücklich und ein wenig stolz zum Taschachhaus zurückkehrten.

Statt einer Guten-Nacht-Geschichte lernten wir dann Touren zu planen. Markus Anderl erklärte uns, wie man die Zeit für eine Tour berechnet, wie man sich im weglosem Gelände orientiert und wie man den zurückgehenden Gletscher Jahr für Jahr bei der Tourenplanung beachten sollte. Dabei planten wir selbst die Tour für den nächsten Tag.

Tag 3: Selfies in der schönsten Gletscherspalte der Ötztaler Alpen

Heute ging es hoch hinaus. Markus Anderl kam dem Wunsch einer Teilnehmerin nach, in einer möglichst schönen blauen Gletscherspalte üben zu dürfen. Auf dem Weg überwanden wir einen Klettersteig und gelangten zum Beginn des Sexegertenferners. Diesen überquerten wir zur Übung in Seilschaft und erreichten den Urkundsattel (3.060m). Die Mittagspause nutzte Markus Anderl, um die schönste Gletscherspalte für uns zu suchen. Wir dagegen machten Sicherheitsübungen der praktischen Art: Merke, Steigeisen niemals mit den Spitzen nach oben legen, man könnte sich sonst selbst reinsetzen.

Die Gletscherspalte mit vielen Eiszapfen und schönen blauen Farben bot die perfekte Kulisse für ein Selfie. Nachdem jeder Teilnehmer die Gletscherspalte von innen betrachten konnte, erfolgte die Spaltenbergung mit dem Mannschaftszug. Dieser ist, wie wir selbst spüren mussten, nicht bei Gletscherspalten mit starken Wechten zu empfehlen. Um diese Erkenntnis reicher traten wir den Weg zurück zum Taschachhaus an.

Tag 4: 20 Meter freier Fall

Der letzte Tag begann wieder dem Üben der losen Rolle am Taschachferner. Anschließend erklärte uns Markus Anderl, wie man sich bei einem Rutscher im Gletscher drehen und wenden sollte, um möglichst schnell in die Position zu kommen den Pickel als Bremse benutzen zu können. Nach einer kurzen Mittagspause erläuterte Markus Anderl wie man sich mit einem Abseilgerät abseilt, um dies dann anschließend mit uns an einem 20 Meter tiefen Abhang zu üben. Dies lies manchen von uns das Herz in die Hose rutschen. Aber mit der Unterstützung von Markus Anderl erreichten wir alle heil den Boden. Bei einer kurzen gemeinsamen Erfrischung am Taschachhaus ließen wir die letzten Tage Revue passieren und gingen bergab ins Tal. Bei diesem wir bereits Pläne für weitere Hochtouren schmiedeten.

Bericht: Christa Bosch (Teilnehmerin)  Bilder: Markus Anderl und Teilnehmer